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Es war Heiligabend. Die letzten Kunden hatten das Warenhaus verlassen, die "White-Christmas-Melodien" waren verklungen und die eingänge waren geschlossen worden.

Nur in den Schaufenstern, die schön dekoriert waren, brannte noch Licht.

Man konnte jeweils über eine Leiter von unten in die Schaufenster steigen. Die Luke eines Schaufensters stand noch auf. Den Schlüsseldienst hatte heute das Fräulein Müller, die schönste Dekorateurin seit es überhaupt Mädels in dieser Abteilung gab. Sie ging den Gang entlang und entdeckte die offenstehende Luke.

Der junge Dekorateur im Schaufenster hatte eine prächtige Dekoration mit Stoffen für festliche Kleider erstellt. Da bauschte der Taft, der Brokat breitete seine Fächer aus, Velour, Samt und Seide flossen die Kaskaden herab, und auf einer Schaufensterfigur hatte er die edelsten Stoffe zu einem Kleid drapiert. Zufrieden betrachtete er seine Arbeit.

Von unten hörte er jemanden die Leiter hinauf komenn und blickte zur Luke, durch die sich ein Mädchenarm mit einem Lebkuchenherz in der Hand streckte. "Ich möchte dir mein Herz schenken, aber nur, wenn du Feierabend machst", hörte er eine lachende Stimme. 

Und dann sah er in das schöne Gesicht einer bezaubernden Frau die er, seit er sie zum ersten mal sah, bewunderte. Er war so überrascht, dass er keine Worte fand.

"Nun beiß schon an", sagte sie und hielt ihm das Lebkuchenherz entgegen.

"Nein", erwiderte er, nahm das Herz und sah sie an. "Dieses Herz ist dafür zu schade, dass man es aufisst. Es bekommt den schönsten Platz in diesem Fenster". 

Er legte es zu einer kleinen Gruppe mit Sektflaschen und geschliffenen Gläsern.

Sie lachte: "Sieht gut aus! Darauf müsste man direkt anstoßen!" Plötzlich fiel alle Schüchternheit von ihm ab.

"Das machen wir glatt", sagte er und nahm eine der Sektflaschen zur Hand, die noch hinter der Stoffdekoration standen.

"Toll!", sagte sie, "wir klauen einfach eine Flasche!"

"Nein", sagte er "Die wird nach Weihnachten bezahlt, heute sind alle Kassen zu." 

"Blopp" machte es und die Flasche war auf. Sie hielt ihm die Sektgläser hin. "Schade" sagte sie, "dass wir uns schon duzen. Sonst könnten wir jetzt Brüderschaft trinken."

Sie stießen miteinander an und nahmen einen guten Schluck. Sein Blick wanderte von ihren Augen auf ihren Mund. "Ja", sagte er, "Schade..." Und dann küsste er sie ganz zart und lange. Sie duftete nach Parfum, nach Sekt und Lebkuchen und es war ganz still im Schaufenster.

Es war Heiligabend und draußen hatte es angefangen zu schneien.

Das war vor langen Jahren, als die Warenhäuser noch Schaufenster hatten und man darin ungesehen Küsse austauschen konnte...




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